Das wirklich allertollste an Barcelona ist ja neben dem Raval, dem MACBA, der Santa Maria del Mar, dem Born, der Barceloneta, Barça, dem Eixample, Gràcia und dem Razzmatazz der Urbanisme. Der wurde nämlich in Barcelona geboren, und wird gehegt und gepflegt wie in keiner anderen Stadt, die ich kenne. Der Urbanisme ist korrekt übersetzt der Städtebau oder die Stadtentwicklung, in Barcelona jedoch ist es das Konzept, auf dem die Stadt beruht und nicht zur Ruhe kommt. Das Leben ist Veränderung. Wer in den letzten zwanzig Jahren mehr als ein Mal in Barcelona war, weiß wahrscheinlich, was ich meine.
Das Museum für Urbanisme ist das am häufigsten von mir überhaupt besuchte Museum aller Zeiten, die Internetseite für Urbanisme wird alle Nase lang nach Neuigkeiten durchsucht. Ich könnte stundenlang über die städtebaulichen Projekte in Barcelona lesen und reden, es herrscht niemals Stillstand. Manchmal habe ich das Gefühl, hier in Hamburg im Vergleich dazu in einer unheimlich fertigen Stadt zu wohnen: Um die Hafencity (deren Areal deutlich kleiner ist als das von 22@, s.u.) wird verständlich so viel Wind gemacht, weil es die einzige Möglichkeit seit langem und für lange Zeit sein wird für Hamburg, sich fortzuentwickeln.
Eines des großen Projekte in Barcelona trägt den etwas nervigen Namen 22@ und wird gerade mit erstem Leben gefüllt. In dem ollen Industriegebiet nordöstlich der Innenstadt (oder in Barcelonesischem Orientierungsgefühl: rechts unten), das Ewigkeiten leerstand und Ende des letzten Jahrtausend durch die Vollendung der Diagonal wachgeküsst wurde, ensteht mit 22@ ein riesiges Areal für Kulturschaffende, Start-Ups, Unternehmen aus den Bereichen Energie, Biologie, Telekommunikation und Medien und Universitäten mit den dazu passenden Einheiten. Natürlich wird das nicht alles nur schön und gut, sondern auch hässlich und böse. Aber es darf alles werden, es muss werden.
Die Menschen, die dort schon arbeiten oder in Zukunft werden, werden die Gegend schon kennen, denn hier befinden sich nicht nur das Razzmatazz, die beste Disco der Welt, sondern auch viele andere Bars und Clubs, After Hours undsoweiter, mit anderen Worten: Nach der Nacht kommt nun auch der Tag zurück ins Poble Nou.
Nicht weniger als acht Fakultäten verschiedener Universitäten werden hier demnächst einen Sitz haben (es werden ca. 30.000 Studenten erwartet, das muss man sich mal vorstellen). Der Campus für Kommunikation hat nun eröffnet, und ich wäre gerne vor Ort, um das Treiben zu beobachten.
Wer einmal in den letzten Jahren bei Tage durch die Gegend gefahren ist, hindurch zwischen neuen Straßenbahnlinien, uralten Fabrikgeländen voller Grafitti, nagelneuen Bürokomplexen, dem Meer und den Schornsteinen, der ahnt, welches Potenzial in dieser Stadt noch steckt. Und das ist nur eine der tausend Ecken, an denen gerade geschraubt und gebohrt, gebuddelt und gemacht und getan wird. Es ist fast schon unheimlich.
—————-
Now playing: Saint Etienne – Urban Clearway
via FoxyTunes




0 Antworten zu “22@ in Barcelona”