Archiv der Kategorie 'Meine Filme'

Hedi Kriegeskotte

17.9.2008

Das ist mir noch nie passiert! Noch nie!

Zwischen 1992 und heute habe ich Kleine Haie schätzungsweise 30 Mal gesehen. Nicht gerade wenige Sprüche aus dem Film haben ihren Weg in meinen alltäglichen Sprachgebrauch gefunden, einer davon s.o.

Im Film ausgesprochen von der Sekretärin der Folkwang-Schule, die gespielt wurde von Hedi Kriegeskotte.

Und heute vormittag in der S-Bahn sitzt sie mir gegenüber. Vier Stationen lang habe ich überlegt, ob ich sie frage, ob sie es ist, habe sie schließlich seither nie mehr irgendwo gesehen – dann habe mich doch noch getraut. Sie war es.

Witzig, dieses Leben.

Tage des Zorns

12.09.2008

12.09.2008

Gestern haben wir Tage des Zorns gesehen.

Der Dänische Kassenschlager mit dem Dänischen Kassenschlager Mads Mikkelsen kommt überall ziemlich gut weg. Wir fanden ihn auch gut, aber auch nicht soo den Knaller.

Eine Wendung nach der nächsten, nie weiß irgendjemand, wem er vertrauen soll, alles erscheint nutzlos, und am Ende kann man den Wert der Opfer nicht aufzählen, die die Protagonisten aufbringen. Das alles ist eindrucksvoll und gut gemacht.

Warum hat Mikkelsen immer so ein schmieriges Gesicht?

Aber nach ein paar Worten des Austauschs hatten wir den Film auch ganz schön schnell wieder abgelegt. Nicht jeder Film kann einem den Atem rauben.

Glatte 3.

So ist Paris (und so ist das Leben)

Großneumarkt 14. August 08

14. August 08

Gestern abend gab es „So ist Paris“ im Passage- Kino in der Mönckebergstraße.

Der Film ist ganz hübsch. Von den Episoden sind einige recht überflüssig (was soll das mit Kamerun?), und einen wirklichen Zusammenhang lässt der Film auch nicht aufkommen, aber was soll’s: Immer wenn’s langweilig wird, kann man überlegen, in welcher Ecke von Paris sich der Film gerade tummelt, welche Metro war das gerade, von wo sieht man den Tour Montparnasse da links und den Eiffelturm da rechts (Bastille? Auf jeden Fall 11. oder?)?

Passage-Kino

Plakat bei uns und in echt

Die Musik ist hübsch, die Bilder auch, und die Bäckersfrau, gemimt von Karin Viard, ist eine herrliche, und leider oder zum Glück keinesfalls überzeichnete typische hypokratische Pariser Schreckschraube. Hinzu kommt: Juliette Binoche hat mich noch nie so wenig genervt wie hier, ja ich möchte fast sagen, dass ich sie ganz herzerfrischend menschlich fand.

Alles in allem eine 3 oder 3+, die jedoch es für Parisliebhaber aber sicher auf eine 2- schafft.
Hier noch der Link zur schönen Homepage.

Juno

Im Abaton läuft gerade unter anderem Juno, der mit viel Vorschusslorbeer versehene Film über die unverhofft schwangere, sechszehnjährige Juno, und ihre eigenwillige Art, damit umzugehen.

Juno im Abaton

Wir sahen den Film vorgestern. Die Geschichte ist putzig, nicht kitschig oder schmierig, gerade ausreichend schwierig, um nicht als belanglos durchzurutschen. Ellen Page, die mich vor gut zwei Jahren als schwer verdauliches Bon-Bon in Hard Candy zu irritieren wusste, spielt die liebenswerte Göre so, nun, liebenswert, dass ich zumindest mir wünschte, mehr Mädchen wären so liebenswerte Gören wie sie. Die Welt müsste weniger Jennifer Garners ertragen, und das wäre ja ganz schön. Eigentlich.

Es ist ein guter Moment für den Nordamerikanischen Film (Juno spielt in einem Vorort von Vancouver), finde ich, der gerade mit wenig Pathos und liebevollen Personen, Zurückhaltung und guter Musik aufwartet.

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Now playing: Cold War Kids – Pregnant
via FoxyTunes

P.S. Wir haben gehört, dass man den Film unbedingt im OmU anschauen sollte.

 

Charlie Wilson’s War

Gestern haben wir im Grindel Charlie Wilson’s War gesehen, einen Film über Charlie Wilson (na sowas). Ich nehme an, dass es alle möglichen Möglichkeiten gibt, diesen Film zu beurteilen. Wieder mal ein auklärerischer Ansatz, die amerikanische (Nah-) Ost- Politik ironisch zu hinterfragen, zweifelsfrei mit ausgezeichneten Schauspielern. Es war nach Erin Brockovich nun das zweite Mal, dass mir Juila Roberts gefiel und nicht – wie sonst mit großer Zuverlässigkeit – tierisch auf die Nerven ging (nein, nicht wegen der Szene, in der sie aus dem Pool klettert). Tom Hanks, ja, klar, das kann er halt ganz gut, zweifelsfrei, aber vor allen Dingen haut Seymour Hoffman wieder alle an die Wand und den Zuschauer um. Inzwischen kann man getrost sagen, dass ein Film immer ein deutlich besserer Film wird, wenn er nur mitspielt.

Charlie Wilson’s War erzählt die vermeintlich echte Geschichte des amerikanischen Kongressabgeordneten gleichen Namens nach, der auf Grund extremer Menschelei viel erreicht hat in seinem Leben, insbesondere die Bekämpfung der Russischen Invasoren in Afghanistan in den 80er Jahren, die schließlich sogar zu deren Aufgabe führte. Der Film erzählt zynisch, wie Politik gemacht wird und warum welche Entscheidungen nicht gefällt werden, welche Rollen Sex und Religion spielen, und dass letzten Endes immer jemand da ist, der schon ahnt, wie es weitergeht, den Lauf der Geschichte aber nicht aufhalten kann, weil ihm die notwendigen Mittel dazu fehlen. Das ganze geschieht mit einem guten Maß an Ironie und einer erträglich geringen Dosis Patriotismussenf.

Wie im Grunde immer bei amerikanischen Produktionen dieser Größenordnung rührt mich die Geschichte nicht sonderlich, gehen mir die Personen nicht Nahe, erinnert mich kein Schicksal an ein eigenes, sondern ich fühle mich einfach gut unterhalten. Dieses Mal sogar mit leichter Tendenz zu sehr gut.

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Once

Wir haben gestern Once im Studio gesehen. Ja, ist genauso schön, wie alle sagen. Ich wundere mich etwas, dass ihn so viele Leute gut finden, weil ich finde, dass es in erster Linie ein liebevoller Musikfilm ist. Aber halt auch voller Liebe, daher wohl die breite Anerkennung. Wie dem auch sei, ich mochte die Charaktere leiden, die beiden Schauspieler scheinen bis auf wenige Auftritte in der Vergangenheit eindeutig danach ausgesucht worden zu sein, singen zu können, und das ist gut.

Es gibt eine Szene in dem Film, oder besser einen Teil, in dem der Hauptdarsteller mit der Hauptdarstellerin und ein paar Straßenmusikern in das Studio geht, um professionelle Aufnahmen zu machen. Dieser Teil ist wie man so sagt atmosphärisch sehr verdichtet, ich bin richtiggehend abgetaucht in die intensive Welt dieser Leute, die so viel erreichen in so kurzer Zeit, und die am Ende der zwei Tage und zwei Nächte gemeinsam ans Meer fahren und ihr Zusammensein ausklingen lassen müssen, sich nicht einfach so trennen können, es ist schön zu sehen, wie die Musik sie verbindet. Von Anfang an verbindet ganz konsequent die Musik die beiden Protagonisten, darüber finden sie zueinander, und dadurch öffnen sie sich füreinander, und daher ist es auch in Ordnung, wie der Film endet.

Ich wollte immer mal gerne ein Musiker sein, und nach dem Film wollte ich ganz kurz ganz unbedingt einmal Musiker sein. Wer ein Herz dafür hat, sollte den Film schnell noch sehen, bevor er bald wieder verschwindet.

Hier auf der Seite von Fox Searchlight kann man sich den ganzen Soundtrack anhören, und hier beim wunderbaren KCRW kann man einen akustischen Studioauftritt der beiden anhören und ansehen.

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Now playing: Spoon – Everything Hits At Once
via FoxyTunes

It’s a free world…

Ken Loachs neuer Film heißt „It’s a free world…„, und ist so depremierend wie, puh, immer. Zentrale Figur des Films ist Angie, eine derbe Engländerin (erfüllen die beiden Worte eigentlich inzwischen die internationalen Synonymiekriterien?), vom Arbeitszwang in einer rücksichtslosen Welt überforderte Mutter, die gerade mal wieder den Job verliert.

Sie entscheidet sich, ihr im letzten Posten angesammeltes Wissen zu nutzen, macht gemeinsam mit ihrer Mitbewohnerin ein Büro auf (oder so etwas ähnliches) und besorgt englischen Arbeitgebern billige Arbeitskräft aus aller Herren Länder. Von nun an schauen wir ihr dabei zu, wie sie ungebremst immer tiefer hinein gerät in einen teuflischen Strudel aus Betrug, Skrupellosigkeit und moralischem Verfall, wie sie sich mit ihrer Familie überwirft, ihren Sohn vernachlässigt und fast verliert, wie ihre Freundin und Mitbewohnerin schlussendlich das Handtuch wirft, und ihr auch der einzige Verbündete, einen ihrer Schützlinge, am Ende den Rücken zukehrt.

It’s a free world

Ich habe den ganzen Film darauf gewartet, dass Angie durch sich, das Leid, dass sie ihren Lieben zufügt oder wenigstens doch ihre Geschäftspartnerin irgendwie dahinter kommt, dass es so nicht laufen darf, wie es bei ihr läuft. Aber keine dieser möglichen Triebfedern, die alle da sind, ist stark genug, um das Ruder herumzureißen. Und Ken Loach macht das super: Jedes Mal war ich verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit sich gerade nichts zum Guten wendet, alles nur immer schlimmer wird und ich immer unangenehmer betroffen im Kinosessel hin- und herrutschte.

Als der Film vorbei war, mochte ich niemanden, der an der Geschichte beteiligt war: Angie nicht, Rose nicht, ihren Vater nicht, ihren Sohn nicht, und noch nicht einmal die betrogenen Arbeitsmigranten kamen so richtig gut weg- ich verließ das Kino und wollte einfach kein Teil der Welt sein, in der der Film spielte. Und wenn es nur zu einem geringen Maße die Realität wiederspiegeln sollte, dann auch nicht. Das fatale ist: Es ist wahrscheinlich genau so.

P.S. Kinobesuchern, die Gefallen daran finden, verschiedene Britische Akzente und Dialekte zu hören, denen kann ich den Film auch aus diesem Grunde (im OmU) empfehlen. Hammerhart, was der Kneipenwirt Andy (so herrlich hohl verkörpert durch den mir bisher nicht bekannten schottischen Komödianten Raymond Mearns, dass auch er einem nich sympathisch wurde) von sich gibt.

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Now playing: Kitchens of Distinction – Drive That Fast
via FoxyTunes

Darjeeling Limited

Darjeeling Limited Poster
Copyright dieses Bildes: Fox Searchlight Pictures

Regie:
Wes Anderson

Darsteller:
Owen Wilson, Adrien Brody, Jason Schwartzman, Anjelica Huston, Bill Murray (ok, das zählt nicht wirklich), Natalie Portman (puh: Sie stört nicht wirklich)

Wer die soeben genannten Namen und/oder dieses Poster mag, der wird zwei Stunden lang vor sich hin schmunzeln und sich dabei beobachten, wie es immer wärmer wird innen drin.

Wer The Life Aquatic mochte, wird auch das hier mögen, wer es nicht mochte, der weiß hier sicher auch nicht recht, was es alles soll.

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Now playing: Andrés Calamaro – De Orgullo y de Miedo
via FoxyTunes

Cassandra’s Dream

„Der Begriff Kassandra-Syndrom (auch Kassandrarufe genannt) definiert schlechte bzw. unvorteilhafte Vorhersagen über die fremde oder eigene Zukunft, das Schicksal betreffend, welche anfänglich ignoriert, jedoch später (meist schmerzlich) als wahr angenommen werden müssen.
Die Person, welche die Vorhersage trifft, kann mit sich selbst in seelischen Konflikt geraten, weil sie einerseits die Möglichkeit verneint andererseits das Ergebnis eines wirklichen Eintreffens fürchtet. Sie kann auch in diesen Konflikt geraten, wenn sie nicht fähig ist, das Problem mit anderen als den eigenen Kräften zu lösen.“ (Quelle:
Wikipedia)

Ich habe gerade den neuen Film von Woody Allen im Kino gesehen: Cassandra’s Dream. Der Film spielt wie zuletzt in England, die Filmmusik ist von Philip Glass, und dann spielt auch noch Colin Farrell mit. Viele Gründe, sich nicht wie einem Film von Woody Allen zu fühlen. Die Geschichte, in der zwei Brüder mit ihrem Schicksal hadern, muss im Grunde niemanden per se begeistern, und ich könnte es vielleicht verstehen, wenn jemand den Film nur so lala findet. Aber zuverlässig wie ein Hattrick vom HSV schafft es der Großmeister auch dieses Mal, dass ich aus dem Kino komme und tief bewegt nach Hause schlürfe.

Cinema Saint-Lazare Pasquier

Vermutlich ist es zum Teil allein die Tatsache, dass es der neue Woody Allen Film ist, ein Teil London, vermutlich ist es die Ahnung, dass der Mensch im Grunde ein unsicheres, scheues Reh ist. Vermutlich ist es die unaufgeregte Melancholie, die genau auf den Punkt gebracht den Zuschauer an sich bindet.

Zum Teil bewegt es mich jedoch alleine, wie sehr es mich berührt, ohne dass ich recht spüre, wie es dieses Mal geschehen ist.

Wie heißt dieser positive Fall eines Kassandraanrufes?

Before the devil knows you’re dead

Before the devil knows you’re dead ist der neue Streifen, über den jeder Kritiker sein lobt ausschüttet: Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke und Marisa Tomei machen zusammen einen Film, der nur in zwei Kinos anläuft, man kommt rein – und wird trotzdem nicht aus den Socken gehauen. Gibt es das? Jou.
Zugegeben: Die Hauptrollen sind sehr gut besetzt, man nimmt den beiden alles ab, und man glaubt ihnen auch, dass sie beide gerne Bettszenen mit Marisa gedreht haben, aber trotzdem geht einem niemand nahe. Fand ich zumindest. Der Film dreht seine Runden, es wird immer alles noch etwas schlimmer, als es bis gerade eben schon war, und am Ende ist man tief versört über so viele Abgründe. Aber trotzdem ging ich nicht gerührt aus dem Kino. Oder betrübt. Sondern irgendwie ein bißchen verärgert über, tja, alles.

P.S. was für ein komisches Kino ist das Angelika Film Center? Tolles Programm, tolle Lage, aber eine Atmosphäre wie im Unikino…

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