Archiv der Kategorie 'Meine Filme'

Darum nochmal Kino, Danke Herr Kilb

Manchmal ist die Sprache in der geschätzten Frankfurter Sonntagszeitung so wundervoll, dass ich beim Lesen jauchze. So auch jetzt wieder, als ich gerade den Feuilleton vom 25. September durchlas und die Rubrik “Neu im Kino” mit folgenden Worten eröffnet fand

Dass die Welt, so wie sie ist, vom Chaos, vom Zufall und von hirnlosen Instinkten regiert wird, dürfte die einzig plausible Erklärung für ihren Zustand sein.

In gleichermaßen schönen Worten wird einleitend sodann erläutert, warum das Kino ein Ort der Zuflucht ist, ein Ort der Konspirationisten, fast schon ideal. Und dann geht es erst lost mit den Rezensionen. Danke, Herr Kilb, da ist es mir fast schon egal, um welche Filme es geht, die ich dann doch nicht sehen kann. Was mir jedoch nicht egal ist.

Schön auch, so eine Zeitung mit einigen Wochen Verspätung zu lesen. Was alles darin steckt: Dass ich nicht zum Lesen komme. Dass der Inhalt zeitlos ist. Dass ich nicht merke, welche Information veraltet ist. Dass ich nicht aufgebe.  True love waits. Noch was?

In einer besseren Welt

Das schlimmste am neuen Film von Susanne Bier ist mal wieder der deutsche Titel. In dem Film geht es um Rache, um Vergeltung, um den Umgang mit Hassgefühlen, und darum, dass es verschiedene Wege gibt, damit umzugehen, und darum, dass das alles, Liebe, Trauer, Wut, Verzweiflung, Vergebung, das alles Platz hat unter einem die ganze Welt umspannenden Himmel. Und darum heißt der Film im Original auch Rache.

Seit Open Hearts suche ich nach einem bewegenderen Film, das ist bisher nicht gelungen, aber immerhin: Susanne Bier kommt sich selbst stets nahe. Es ist bedrückend, zu sehen, wieviele Facetten das Unglück haben kann, dass es nicht Halt macht vor Kindern, vor dem guten Willen, vor nichts, aber der Film lastet einem nicht auf den Schultern, und er schwingt keinen Zeigefinger. Es ist einfach wie es ist, scheint der Film fortlaufend zu sagen. Es ist einfach wie es ist, scheint das Gesicht des großartigen Mikael Persbrandt ununterbrochen zu sagen: Ich liebe Euch, wenn er seine Söhne anblickt, Ich vermisse Dich, wenn er mit seiner Frau telefoniert, von der er getrennt ist, Ich ertrage es, wenn er ein Leben nicht retten kann.

Neben den gewohnt berührenden zwischenmenschlichen Momenten wartet der Film mit ausgesprochen hübschen Bildern auf: Die Farben in der Keniatischen Wüste sind klar und voller Ausdruck, obwohl ständig der Staub weht, die Felder und das Wasser auf Langeland strahlen um die Wette (muss ich auch mal hin).

“In einer besseren Welt” – wer denkt sich so einen bescheuerten Titel aus?

Die tollsten Sachen des Jahres

Tollste neue Lebensunterstützung: Kommtessen – jetzt anmelden, falls noch nicht geschehen!

Tollste Neuigkeit in Hamburg überhaupt: 91,7 XFM- wir haben einen Radiosender. Und er wird nicht schlechter.

Tollstes Sportereignis des Jahrzehnts: Argentinien – Deutschland 0:4. Kann ich nicht genug drüber nachdenken, war das ein schöner Tag.

Tollste Fernsehmomente: Unser Star für Oslo, Druckfrisch, Unter Verdacht (waren gut, bleiben gut).

Tollste Serie ever: West Wing. Mai bis Dezember sieben Staffeln durchgeguckt. Seither verfolgen mich Josh und Charlie in meinen Träumen. Und tagsüber frage ich mich: Was macht CJ heute? Also wirklich, was sie wohl tut, wie es ihr geht. Ob ihre Kinder glücklich sind. Schlimm, die Zeit danach. Wenn die Liebe noch gar nicht zu Ende ist.

Tollste Lieder:
Das Überlied, ich weiß zwar nicht, wieso, ist aber so: Stranded – The Walkmen;
Das schönste Lied, und ich weiß auch wieso: Kon Tiki – Plants&Animals;
Das GuteLaunetanzbar- Lied das Jahres: Crying for Hollywood – James Yuill;
Oder vielleicht ist doch das hier das Überlied? Aquaeduct – Murder;
Das Boah, wer ist der Typ, haben wollen Lied des Jahres: Caribou – Jamelia

Tollstes Buch (nicht neu, aber endlich gelesen): The Death and Life of Great American Cities von Jane Jacobs. Wieso beherzigt es nicht jeder Mensch, der irgendwas mit Stadtentwicklung zu tun hat, wieso?

Tollster Moment: Unsere Tochter erkennt etwas in einem Buch und sagt freudestrahlend “Papi hat auch einen Pattenpieler”. Keine Wünsche mehr.

Ich seh den Mann deiner Träume

Ach, Woody.

Ich seh den Mann deiner Träume läuft nun im Kino, und ich habe ihn gesehen. Komischer Film. Spielerische Dramen macht er ja in letzter Zeit gerne, in Schulnoten flimmert es bei mir selten unter der 3 wenn er was macht (außer Vicky Christina), aber irgendwie wurde ich auch nicht so richtig warm mit dem Streifen. Das Voice-Over hat zu viel erzählt, fand ich, die Personen berührten einen nicht wirklich, und die Überaschung am Ende war kein wirklicher Knalleffekt.
Mh.Vielleicht liegt es daran, dass er das erste Mal Regie führen musste ohne seinen ewigen Produzenten und Co-Produzenten Charles H. Joffe? Oder vielleicht verpupst er uns auch nur, indem er seinen Erzähler über das Leben und die Geschichten im Film Shakespeare zitieren lässt, was in Wirklichkeit auch auf den Film selber zutrifft?

‘Life’s a tale of sound and fury, signifying nothing.’

Das wäre dann schon wieder ziemlich cool, alter Opa. Sicher, ein mittelmäßger Woody Allen ist mir lieber als fast alles andere auf der Kinoleinwand. Also bitte einfach weitermachen. Immer weitermachen.

R.E.D.

Mal abgesehen von dem schlimmen Filmtitel “retired, extremely dangerous”, dessen Deutscher Zusatz “älter, härter, besser” in die Top 5 der dämlichsten Deutschen Kinotitelzusätze gehört, ein schöner Kinoschmaus.

Das liegt an der anspruchslosen aber abwechslungsreichen Handlung, dem souveränen Bruce Willis, allen voran aber an der bezaubernen Mary Louise Parker und John Malkovich, der so gut den schrulligen Alten mit dem Zucken im Gesicht spielt, das man schon nach wenigen Minuten nicht mehr glaubt, dass er es nur spielt, sondern man sich dabei erwischt, wie man denkt “Man, ist der Malkovich alt geworden”.

Kann man sich ganz wunderbar an einem kalten Herbst-/Winterabend reintun.

Hier geht’s zur Homepage.

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Now playing: The Weakerthans – Our Retired Explorer (Dines With Michel Foucault in Paris, 1961)
via FoxyTunes

The Social Network

Mal abgesehen davon, dass die Geschichte der Entstehung von Facebook schon wirklich irgendwie interessant ist, fand ich den Film gut. Aaron Sorkin hat wieder brilliante Dialoge geschrieben, Jesse Eisenberg nervt, ohne zu nerven, und Trent Raznors Soundtrack fügt sich ein wie eine Nebelwand auf dem Edersee im November.

Empfehlung falls noch nicht gesehen. Empfehle alleine schon den Trailer wegen der Gänsehaut-Version von Creep. Homepage hier.

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Now playing: Nine Inch Nails – A Warm Place
via FoxyTunes

Mr. Nobody im Bambi

Neulich in Düsseldorf gewesen, Mr. Nobody im Bambi gesehen.

Das Bambi ist ein feines kleines Programmkino in der Stadtmitte. Das Kino wird gerade umgebaut, macht aber nichts.

Mr. Nobody ist ein, würde sagen surrealistischer, Film von Jaco van Dormael, in dem wir die Hauptperson in eine seltsame Zukunft und  mehrere mögliche Vergangenheiten begleiten. Die Geschichten/ Szenen/ Erzählstränge sind verwirrend angelegt, und man versteht nicht immer ganz recht, wo man sich gerade befindet oder wie die einzelnen Teile zusammen gehören. Am Ende des Films fällt es schwer, zu sagen, worum es eigentlich ging. Gibt es vielleicht mehr Dimensionen als die uns bekannten? Wie schwerwiegend sind Entscheidungen, die wir treffen, für den Rest unserer Leben, wie groß ist der Anteil von Zufall an den Entscheidungen unseres Lebens?
Vielleicht geht es auch darum.

Auf jeden Fall ist es ein Film, nach dessen Ende man das Kino verlässt und sich noch eine ganze Weile fragt, ob hier eigentlich alles echt ist. Kann man das Auto auf der anderen Straßenseite nur sehen, oder kann man es auch berühren? Sieht mein Kumpel es auch? Wieso ist es noch hell draußen?

Ist es nicht unter anderem das, wofür dieses Kino da ist?

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Now playing: The White Birch – Love is so real
via FoxyTunes

Soul Kitchen (im Fama)

So, Soul Kitchen gesehen. Und zwar im Fama im berühmten Hamburger Stadtteil Lurup.

Erstmal zum Kino: Das Fama war bis zum Samstag einer der letzten weißen Flecken auf meiner Kinolandkarte Hamburgs – ich glaube, es fehlen nur noch das Hansa in Bergedorf und das Blankeneser Kino.

Das Fama liegt an der Luruper Hauptstraße, das allein macht es schon zu einem Wunder, dass es das Kino wieder noch gibt (die Luruper Hauptstraße ist ein nicht endenwollender Graus). Ich hatte mich schon geärgert, dass ich noch nie dort war, denn im Mai 2007 schloss das Fama. Jedoch: Kein Jahr später war renoviert, und die namensgebende Familie Mallesch und Betreiber Jansen sind seither wieder am Start.

Drinnen ist es hübsch. Es sieht aus wie zu Gründungszeiten (Ende der 50er), an der einzigen Kasse werden Karten und Schleckerkrams verkauft. Der Saal und die Leinwand selber sind geräumig, und es gibt sehr viel Beinfreiheit. Also: Daumen hoch!

Zum Film: Das Gefühl, das sich direkt nach dem Sehen einstellte, dauert bis heute an: Ja mein Gott, tut nicht weh, meine Lachmuskeln haben auch keinen Kater, und irgendwie steht der Film die ganze Zeit kurz davor, einem mit seinem ganzen “Hamburg da abfeiern, wo es cool ist” und seinen ganzen “und dann kenn ich den noch- Auftritten” auf die Nerven zu gehen, tut er dann aber doch nicht, sondern es bleibt ein Gefühl, als wäre man gerade eben doch ganz vortrefflich unterhalten worden. Der Film einfach immer weitergehen, man würde sich wohl erst sehr spät langweilen (schräg: genau das haben unabhängig voneinander gleich vier Menschen gesagt, die den Film auch gesehen haben).

Ich weiß nicht, ob es einem als Nicht-Hamburger auch so geht, inwiefern also ein Teil des bescheidenen Zaubers davon ausgeht, dass man immer weiß, wo sie sind im Film usw., auch wenn man mal kräftig grübeln muss. Jemand eine Meinung hierzu?
Ich fand auch, dass Moritz Bleibtreu eine gute Figur abgab, und die Musik war eine Freude.

Schulnote 2 oder 2- würde ich sagen. In Kombination mit dem Besuch im Fama alles in allem aber ein dufter Abend. Leider haben wir uns nicht in den Holsten-Treff gegenüber getraut.

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Now playing: The Jazz Butcher – Still In The Kitchen
via FoxyTunes

Lurup

Was für ein seltsamer Stadtteil ist eigentlich Lurup?

Nach Lurup verirrt man sich nie. Man kennt niemanden aus Lurup. Im Grunde weiß man noch nichtmal recht, wo Lurup liegt, denn dort sucht man höchstens vielleicht mal einen Parkplatz beim Stadion, aber selbst dabei merkt oder weiß man nicht, dass man in Lurup ist.

Bei Wikipedia gibt es über die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg eine Beschreibung, die man problemlos stehen lassen kann (Änderungen von mir): Als die pinnebergische Landgemeinde Lurup wurde 1927 durch das Groß-Altona-Gesetz nach Altona/Elbe eingemeindet wurde, war sie ist nicht viel mehr als ein Straßendorf von vorindustriellem Erscheinungsbild mit rund 950 33.000 Einwohnern: eine Ansammlung einfacher Häuschen ohne erkennbares Zentrum, hinter Altonas Hauptfriedhof, Flugplatz Desy und Volkspark inmitten einer typisch holsteinischen Feldmark gelegen und landwirtschaftlich mittelständisch-industriell geprägt (insbesondere Rinderhaltung mit Milchwirtschaft ?), dazu einige Kiesgruben… – eine erfrischend ehrliche Beschreibung findet sich übrigens auch auf hamburg.de.

Und doch gibt es unheimlich viel Interessantes zu berichten über Lurup: Über die Fischkistensiedlungen, das NS- Lager in der Lederstraße, die mit Trümmern aus anderen Stadtvierteln zugeschütteten Gräben und Niederungen. Ich war nun neulich endlich einmal im Fama, und daher weiß ich nun, wo Lurup ist, habe eine Ahnung davon bekommen, wie groß es ist und bin mal wieder erstaunt, was alles zu Hamburg gehört. Lurup, das ist da, wo Hamburg ausfranst.

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Now playing: Brown Susan – How We Used To Live
via FoxyTunes

Zerrissene Umarmungen

Gestern abend haben wir uns im Alabama den aktuellen Film von Pedro Almodóvar angeschaut, Zerrissene Umarmungen.

Mateo (kleine Scherz von Almodóvar? Die männliche Hauptperson heißt Mateo Scuro, anders aufgeteilt Mate Oscuro, was so viel heißen würde wie “matt dunkel”, was einer Vorstellung der Sehwelt eines Blinden durch einen Sehenden wie mich recht nahekommt) erzählt seinem, wie wir später erfahren, Sohn die Geschichte einer vergangenen und verhängnisvollen Liebe. Objekt dieser Liebe war Magdalena, gespielt von der immer besser und immer hübscher werdenden Penélope Cruz.  Worum es desweiteren geht, ist irgendwie wurscht. Es geht nicht um eine Geschichte mit einem tollen Anfang und einem imposanten Ende, sondern es geht um die Personen darin, um die Erlebnisse im Einzelnen. Der Film fängt einfach an, die Geschichte erst etwas später. Und als der Film irgendwann einfach zu Ende geht, ist die Geschichte auch schon etwas länger vorbei.  Ich möchte mich trotzdem gerne einmal so glücklich fühlen wie Mateo oder so traurig, oder beruflich etwas so schönes tun wie er oder mich wenigstens komplett so einrichten, wie es Mateo und Lena auf Lanzarote antrafen bzw. wie es Mateo in Madrid in seiner aktuellen Wohnung aushielt. Allein diese Ansammlung von Farben und Möbeln waren einen Besuch des Films wert.

Ich bin nicht der größe Fan von Almodóvar, aber so ein Abend mit einem Besuch im Casino, und so einem Film im Alabama, ach, das ist es, weswegen es Kino gibt.

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  • lilly und chintsa Sonntag, 20. Mai 2012
    hier ein kurzes update vom ostkap – lilly gehts blendend, uns auch. ja, sie mag die kamera… …sehr sogar! stehen in ihrer kiste – das klappt schon ganz gut und sieht cool aus. randnotiz: lilly war heute zum ersten mal bei mcdonalds essen! vor 2 wochen waren wir ein paar tage in chintsa – das [...]
    lukasra

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