Wenn ich ein Foto aus diesen Tagen sehe, zittere ich noch immer. Heute vor einem Jahr war ich dabei, als sich Barça zu Hause den Titel sicherte. 
Nach dem Spiel stellte ich am Canaletes, dem unscheinbaren Brunnen am oberen Ende der Ramblas, fest, dass es einen riesengroßen Unterschied zwischen dem vornehmen, stillen Stadionfan und dem gemeinen Fan gibt in Barcelona: Es war schlicht die Hölle los bis in den frühen Morgen. Am darauf folgenden Sonntag zog die Mannschaft im offenen Vereinsbus durch die gesamte Stadt, und etwa 600.000 Menschen waren dabei, um die Lokalhelden zu feiern, die in Katalonien zugleich Nationalhelden sind.
Die Stadt kam in den nächsten Tagen nicht zur Ruhe, stand doch auch noch das Finale der Champions League in Paris bevor. Auch dort wurde bekanntermaßen der Titel geholt, und dann brachen alle Dämme, die die zurückhaltende Kultur der Stadt noch mit Fassung trug. Feuerwerke wurden abgebrannt als gäbe es kein Morgen, Canaletes, gerade wieder sauber, wurde beinahe in Schutt und Asche gelegt:

Die wenigen Meter von dort nach Hause dauerten anschließend Stunden, jeder wurde umarmt, jeder. Und jeder, wirklich jeder war dabei, als die Mannschaft zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen direkt vor der Nase von über einer Million sie vergötternder Menschen herumkutschiert wurde und zeigte, was den Menschen bei uns schwer ist zu erklären: Dieser Sieg war so wichtig für die Bewohner der Stadt wie für uns die Weltmeisterschaft. Da standen sie, die betrunkenen Edmilsons und Mottas und kicherten und sangen und wussten: Wir sind eins mit Euch. Visca el Barça, visca Catalunya.