Hurricane, danach I

Ich war 1996 das erste Mal bei einem Formel 1 Wochenende, drei Tage lang mit Freiem Training, Qualifikation und Rennen (natürlich in Barcelona, wo man damals auf Grund der Abwesenheit irgendeines Spanischen Talentes für ’n Appel und ’n Ei den ganzen Zirkus genießen konnte). Jetzt war ich das erste Mal beim Hurricane- Festival.
Beide hatten einen ähnlichen Effekt auf mich: Nach dem ersten Tag fragt man sich, was das alles soll. In diesem Fall: Unpersönliche Konzerte ohne Zugaben, viel zu viele Menschen auf einmal, Lärm, Dreck, teures Essen. Nach dem zweiten Tag weiß man, was das alles soll: Tolle Konzerte, Bands, die man sonst nie gesehen hätte, unheimlich viele Menschen, ein unaufhörliches Gewusel und die Faszination, in all dem Durcheinander etwas leckeres zu Essen zu sich nehmen zu können. Nach dem dritten Tag befindet man sich in Trance. Alles ist schön. Alles muss genauso dreckig, laut und viel sein wie es ist. Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie es ohne Musik und Menschenmassen sein soll, dieses Leben.

Doch zum Musikalischen: Es gab Enttäuschungen, es gab (blutige) Überraschungen, und Könner gab es und Langweiler auch. Also einsnachdemanderen:

Freitag Nachmittag, erstmal orientieren. Zelt? Ok, gleichen spielen die Blood Red Shoes.
Schon mal gehört, aber was geht denn hier ab? Zwei halbwüchsige Engländer bringen mit Drums und Bassgitarre und ihrem dreckigen Rock das erste Mal die Meute zum Hüpfen und Schreien.

Blood Red Shoes Hurricane 07

Zu meiner großen Freude weiß ich jetzt, dass sie im Oktober im Vorprogramm von Maximo Park im Docks spielen werden.

So weit, so gut. Irgendwann später dann Snow Patrol aus dem Ohrenwinkel belauscht und die Langeweile genossen, dann vorgedrängelt zu den Fantastischen Vier und das erste Mal gekotzt, weil mit den Cold War Kids und The Good, Bad & Queen gleich zwei Wunschteilnehmer verpasst wurden. Aber dann: Was für eine bestechend gute Liveband sind denn die Hip-Hopper aus Sturgart?! Wusste ich gar nicht, scheinen aber viele gewusst gehabt zu haben, wie ich hörte.

Die Fantastischen Vier Hurricane 07

Dann endlich: Beastie Boys! BEASTIE BOYS! Mal ehrlich: Um abzugehen, müssen die Beats auch in GROßBUCHSTABEN aus den Boxen kommen, alle um uns herum haben nach mehr Bass und mehr Rapshit gebrüllt. Als ich ging, war ich echt fertig deswegen. Heute sehe ich die Sache entspannter, zum Glück. Ich war dabei. Wenn ich mal alt bin, möchte ich so cool sein wie MCA. Nobody does it better.

Samstag früh, Mumm-Ra, ja so eine ganz nette Band aus England halt, dann The Bravery, ehrlich niemand braucht The Bravery, wahrscheinlich noch nicht einmal sie selbst (Hier kurz meine Meinung in den Worten von Adam Simpkins: I’m hardly a music snob, but what irks me to no end is that people are duped by shitty bands. The crowd at tonight’s sold out (sold out?!) Bravery show pretty much reflected everything that is wrong with music today).

Nun. Aus der Ferne vom warmen Wummersound von Mogwai den Ärger darüber vertreiben lassen und darüber, dass man Frank Black verpassen muss, denn Arcade Fire wollte ich schon genau von vorne aus direkter Nähe sehen. Kein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Arcade Fire Hurricane 07

Hier wurde die Latte hoch gelegt: Was für ein erstklassiger Auftritt! Welch Musikalität; (welch bekloppte Kostüme!). Zehn Musiker auf der Bühne, nach dem vierten Lied konnten wir uns nicht mehr merken, welches Bandmitglied schon alles welches Instrument gespielt hatte, so häufig wurde gewechselt. Als zweites Stück wurde „No cars go“ gespielt, und am Ende wünschte ich, es hätte keines. Weiter spielen, bitte weiter spielen… Between the click of the light and the start of the dream. Welch Viruosität! Welch Ausdruck, welch Würde!

Wie gut genau der Auftritt gerade gewesen war, merkte ich im Anschluss bei Bloc Party. Ich gab nach ein paar Stücken einfach meinen erstklassigen Platz mitten in hunderten ausflippender Teenies auf und ging: Kein Vergleich.
Außerdem standen mir die Manic Street Preachers noch bevor, und dafür wollte ich mich erst noch mal wieder sammeln.

Und da mache ich mal morgen weiter.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 7 Followern an

RSS Follow Luke

  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
    in june we went to germany to spent a substantial part of the summer with family and friends. lukas was off to an early start because he had work in wolfsburg. the weekend without my family lukas used for a short stint to mallorca where i visited mike and tatzi – what a great way […]
    lukasra

%d Bloggern gefällt das: