Hurricane, danach II

Manich Street Preachers… einmal noch sehen. Das letzte Mal, es wurde sogar erwähnt, war glatte sechszehn Jahre her. Manchmal braucht man solche Zahlen, um zu merken, wie lange einen eine Band schon begleitet. Gespielt haben sie fast schon ein Best-Of aus all den Jahren. Leider, leider konnte Nina Persson, die Gastsängerin auf dem neuen Album ist, nicht dabei sein, aber das hätte mich wahrscheinlich endgültig um den Verstand gebracht. So fühlte ich mich an diesem regnerischen Samstagabend so ähnlich wie das, was Nicky Wire über das Album gesagt hatte: „Gewisse Dinge haben eine Essenz, die man nicht begreifen kann. Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns entschlossen haben, uns nicht für das zu schämen, was wir gut können.“ Und so entschloss ich mich, in der ersten Reihe gerührt so laut mitzusingen, wie es ging.

Connor Oberst und seine Bright Eyes fielen anschließend in meine Verschnaufpause. Marylin Manson ließ ich woanders brüllen, und dann ging es zum späten Auftritt von Interpol. Tja, und das hätte ich mir auch sparen können: Ich finde ja die meisten Lieder gut, aber wenn der Sänger so stoisch herum steht, dann fehlt mir einfach ein wichtiger Teil eines Konzertes. Nach dem vierten Lied kam ich ins Zweifeln darüber, ob es nicht schon das dritte gewesen sei, und das hörte nicht mehr auf. Es war jetzt das zweite Mal, dass ich sie live gesehen habe, und ich glaube, ich höre Interpol in Zukunft lieber zu Hause.

Am nächsten Morgen musste ich zu meinem großen Ärgernis vor lauter Müdigkeit den Auftritt der Howling Bells sausen lassen. Zu Blood Arm war es zum Glück nicht so weit von unserem Campingsplatz, also schafften wir es gerade noch, die letzten zwei Drittel zu erleben. Ja, genau, erleben. Kurz vor nervig schaffte es Sänger Fregoso, immer lustig zu bleiben und riss uns, schlapp wie wir waren, regelrecht vom Hocker. Alle anderen saßen zu Angela auch, und mitten unter ihnen der Mann mit dem Mikro in der Hand.

Blood Arm Hurricane 07

Was Interpol an Interaktion vermissen ließen, machten Blood Arm mehr als wett (dass die Band in Deutschland auch ihren Spaß hatte, kann übrigens in ihrem Blog gut nachverfolgen).

Nach dem Mittagspäuschen stellte sich zunächst folgende Frage: Juliette Lewis- Wie wär’s mal mit Gesang anstelle von Gebrüll?
Um rechtzeitig zu den Kings of Leon in den am Vorabend arg überfüllten Bereich direkt vor der Bühne zu kommen, begaben wir uns schon zu Porcupine Tree dorthin. Ich kannte von ihnen ehrlich nur den Namen und wusste, dass es nun wohl härter würde. Und dann ging’s auch los, und äh, wow! Glasklarer Sound, eine gute Stimme und ernstzunehmende Musiker nahmen mich mit, wie man so schon sagt, auf ihre Reise. Es war so ein Augenblick, wie man ihn eben nur auf Festivals erlebt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, diese Musik in einem anderen Zusammenhang zu erleben: Unter freiem Himmel mit leergepustetem Hirn und bei praller Sonne. Die bemerkenswerte Geschichte der Englischen Progrocker kann man beispielsweise hier nachlesen.

Irritiert, wie gut ich es fand mit dieser mir sonst fremden Musik, starrte ich auf die Bühne, als die Kings of Leon ihre Stunde hatten. Tja, was soll man sagen? Arrogant weil geil? Lässig wegen gut? Oder einfach schweinecool, wie Jörg meint? Meine Ohren brennen jetzt noch.

Direkt im Anschluss an dieses konkrete Gitarrenbrett ging es rüber zu den Editors, die dem Festival genau den Abschluss gaben, den es verdient hatte: Draußen, leidenschaftlich, stark.

Rund und glücklich ging es nach Hause, wo wir in einer guten Stunde für mein Empfinden viel zu früh in der Realität landeten.

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  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
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