ÖPNV Paris

Es gibt einige Regeln, die sich die Fahrgäste des öffentlichen Personennahverkehrs in Paris derart strikt unterwerfen, dass man sich als Fremder immer schon sehr fremd fühlt, wenn man gerade erst den Bus betreten hat. Hier eine kleine Anleitung zum sich nicht ganz so andersartig fühlen:

  • Immer schön das Händchen heben, wenn man will, dass der Bus anhält, auf den man an der Haltestelle wartet.
  • Niemals auf der Internetseite des örtlichen Transportunternehmens gucken, wie lange es von a nach b dauert. Das Suchergebnis muss je nach Tageszeit mit zwei bis vier multipiziert werden.
  • Niemals unterwegs etwas Essen oder Trinken. Man erntet sonst nur Blicke, als wäre man ein Außerirdischer.
  • Immer schön Bonjour zum Busfahrer sagen.
  • Niemals mit einer Tasche größer als ein Aktenkoffer in den Bus oder die Metro steigen. Damit rechnet der drängelnde Franzose nicht.
  • Nicht denken, dass die nächste Metro immer die ist, die man nehmen kann. Manchmal muss man einfach geduldig sein, bis sich mal wieder eine Möglichkeit zum Einsteigen ergibt.
  • Die RER nur mit Mundschutz betreten, der Gestank ist wirklich erbärmlich. Es gibt sogar eine paris-interne Rangfolge der RER- Linien. A ist ok, B schon nicht mehr so, C naja, und D und E sind der Ekelhammer schlechthin.
  • Sitzen, sitzen, sitzen. Egal, ob Bus, Metro oder RER: Man muss immer schnell sitzen, sonst merken alle gleich, dass man kein Franzose ist.
  • Gelesen hingegen wird eigentlich nur in der Metro, manchmal auch im Bus, nie aber in der RER.
  • Ein lustiges Spiel ist das neuerliche Gerangel um die Busspur, denn neben den Taxifahrern kloppen sich nun auch die Radler um die freie Bahn. Die sind verhältnismäßig neu auf Pariser Straßen, denn es gibt nun auch dort ein Fahrradmietsystem, das fast genauso funktioniert wie das Bicing in Barcelona.

Das ist alles ist natürlich irrelevant, wenn mal wieder, so wie gestern und heute, gestreikt wird. Darin macht dem Franzosen so schnell niemand etwas nach. Am ersten Tag scheint alles ruhig zu laufen, am zweiten werden die Menschen langsam nervös, aber es gibt eigentlich nichts weiter gravierendes zu berichten- die Leute arrangieren sich und finden sich ab: Sie bilden Fahrgemeinschaften und erscheinen um 5.30h im Büro, sie fahren Fahrrad, Rollschuh und durchqueren ganze Arrondissements zu Fuß, und sie warten einfach darauf, dass es wieder vorbei ist.

Ich sag mal so: So lange es ordentlich was zu Essen gibt, ist dem das doch alles trés egale.

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  • second half of 2017 Mittwoch, 30. Mai 2018
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