It’s a free world…

Ken Loachs neuer Film heißt „It’s a free world…„, und ist so depremierend wie, puh, immer. Zentrale Figur des Films ist Angie, eine derbe Engländerin (erfüllen die beiden Worte eigentlich inzwischen die internationalen Synonymiekriterien?), vom Arbeitszwang in einer rücksichtslosen Welt überforderte Mutter, die gerade mal wieder den Job verliert.

Sie entscheidet sich, ihr im letzten Posten angesammeltes Wissen zu nutzen, macht gemeinsam mit ihrer Mitbewohnerin ein Büro auf (oder so etwas ähnliches) und besorgt englischen Arbeitgebern billige Arbeitskräft aus aller Herren Länder. Von nun an schauen wir ihr dabei zu, wie sie ungebremst immer tiefer hinein gerät in einen teuflischen Strudel aus Betrug, Skrupellosigkeit und moralischem Verfall, wie sie sich mit ihrer Familie überwirft, ihren Sohn vernachlässigt und fast verliert, wie ihre Freundin und Mitbewohnerin schlussendlich das Handtuch wirft, und ihr auch der einzige Verbündete, einen ihrer Schützlinge, am Ende den Rücken zukehrt.

It’s a free world

Ich habe den ganzen Film darauf gewartet, dass Angie durch sich, das Leid, dass sie ihren Lieben zufügt oder wenigstens doch ihre Geschäftspartnerin irgendwie dahinter kommt, dass es so nicht laufen darf, wie es bei ihr läuft. Aber keine dieser möglichen Triebfedern, die alle da sind, ist stark genug, um das Ruder herumzureißen. Und Ken Loach macht das super: Jedes Mal war ich verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit sich gerade nichts zum Guten wendet, alles nur immer schlimmer wird und ich immer unangenehmer betroffen im Kinosessel hin- und herrutschte.

Als der Film vorbei war, mochte ich niemanden, der an der Geschichte beteiligt war: Angie nicht, Rose nicht, ihren Vater nicht, ihren Sohn nicht, und noch nicht einmal die betrogenen Arbeitsmigranten kamen so richtig gut weg- ich verließ das Kino und wollte einfach kein Teil der Welt sein, in der der Film spielte. Und wenn es nur zu einem geringen Maße die Realität wiederspiegeln sollte, dann auch nicht. Das fatale ist: Es ist wahrscheinlich genau so.

P.S. Kinobesuchern, die Gefallen daran finden, verschiedene Britische Akzente und Dialekte zu hören, denen kann ich den Film auch aus diesem Grunde (im OmU) empfehlen. Hammerhart, was der Kneipenwirt Andy (so herrlich hohl verkörpert durch den mir bisher nicht bekannten schottischen Komödianten Raymond Mearns, dass auch er einem nich sympathisch wurde) von sich gibt.

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Now playing: Kitchens of Distinction – Drive That Fast
via FoxyTunes

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