Sei da, oder sei ein Quadrat!

Es war ein Ulk von uns, während der Schulzeit, die Weise („Be there or be square“) wörtlich zu übersetzen, weil es sich so ausdrücklich behämmert anhörte, dass es schön war.

Irgendwann schlichen sich im Laufe der Zeit immer mehr Begriffe aus der Englischen Sprache in unseren Sprachgebrauch ein, darüber wurde sich genug allenthalben aufgeregt, und schließlich fanden ganze Sätze Einzug in unseren Alltag (Kollegen verabschieden sich ernsthaft am Freitag mit „Have a nice weekend“ – „You too“; na, wenn Euer Leben dadurch schöner wird, sprecht doch wie ihr wollt).

Inzwischen sind wir leider viele Schritte weiter, und als wäre es eine beleidigte Reaktion auf die o.g. Gegenwehr, werden nunmehr Englische Redewendungen einfach Wort für Wort übersetzt. Das ist nicht ganz neu, aber so langsam nimmt es Überhand. Eine Hinterfragung, ob sich eine wortwörtliche Übersetzung einer Redewendung nicht vielleicht vollkommen sprachverstümmelt anhört oder nicht, findet immer seltener statt. Viel schlimmer finde ich aber: Der Verzicht auf die Deutsche Redewendung und deren Ersatz durch den Einsatz anderer Deutscher Wörter führt sehr viel schneller zum Verlust des Deutschen Originals. Hatten wir es bisher mit einer Bereicherung der Alltagssprache zu tun, die man finden kann, wie man will, so befinden wir uns jetzt im Verdrängungswettbewerb.

Wie ich gerade darauf komme?
In der Sportschau wird seit einigen Monaten immer seltener „auf“ jemanden gepasst, sondern immer häufiger „für“ jemanden gespielt (so heißt es nicht mehr „Littbarski auf Strack – Tor“, sondern „Salihovic wunderschön für Ibisevic – Tor“). Überall hört man ständig, irgendwer sei über irgendwas „nicht amüsiert“ (Bundesjogi bspw. über die Äußerungen seines Kapitäns). Wieso heißt es denn nicht mehr „nicht begeistert“?. „Am Ende des Tages“ hieß früher mal „letztenendes“, und wieso sagen in letzter Zeit im Dummen-TV alle immer zu allem „Oh mein Gott“?
Ich ahne die Gründe, und das geht mir schon lange auf den Sack, doch ich war bisher nur zu träge, mich zu Wort zu melden. Neulich morgens habe ich aber in der FTD folgenden Satz gelesen: „Wenn man das große Bild betrachtet, wird Windows 7 kein großer Schritt sein“. Wenn man der englischen Sprache nicht mächtig ist, fragt man sich nun womöglich wirklich, von welchem Bild hier die Rede ist. Ich finde solche nicht-Übersetzungen so gruselig, dass ich kurz geneigt war, den Verfasser des Artikels darauf anzusprechen, nachdem sich meine Empörung gelegt hatte.

Ach, und etwas müde machte mich zuletzt der Kampf gegen die Deppenleerzeichen der Welt. „Fahr Stuhl“ war gestern, denn jetzt fahren die Deppen etwas neues auf: Deppenleerzeichen inklusive Deppengenitiv: Umzugs Unternehmen. Solche Dinge stehen inzwischen tatsächlich auf Firmen Wagen Firmenwagen. Ist denn niemand da, der die Menschen darauf hinweist, dass sie sich der Lächerlichkeit preisgeben? Schlimmer noch: Grammatikalisch nicht sattelfeste Mitbürger der Orientierungslosigkeit preisgeben?!
Also ich vertraue auch in Zukunft lieber solchen Firmen, die sich zwei Minuten Zeit nehmen, um über die Beschriftung ihrer Fahr Zeuge Fahrzeuge nachzudenken. Mich wundert indes nichts mehr, und so warte ich nun entspannt und ruhig auf die maxima pena: Deppenleerzeichen inklusive Deppengenitiv plus Deppenapostroph: Reinigung’s Unternehmen der Welt, wo seid ihr?!

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  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
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