A night at the Opera gar nicht in der Oper

Lustig. Es gibt Parallelwelten sehr nah zur eigenen, und doch laufen sie ohne Schnittpunkt nebeneinander her.Thees Uhlmann mit Band (nicht Tomte)

Einem angenehmen Zufall war es zu verdanken, dass ich zur Night at the Opera, ausgerichtet vom Grand Hotel van Cleef, ging und auch noch unverschämt gut saß. Am Start waren an diesem Abend Maike Rosa Vogel (kaum was von mitbekommen), Young Rebel Set, Nils Koppruch und Thees Uhlmann mit Freunden. Moderiert wurde von der alternden Rampensau Sven Regener.

Young Rebel Set sind ein netter Haufen Nordengländer, die laut Labelseite Johnny Cash trifft Bruce Springsteen trifft die Libertines treffen Oasis treffen Pogues – Musik machen. Im Schauspielhaus haben sich die Pogues mit niemandem getroffen, die anderen sind nicht gekommen. Ist vielleicht auch einfach nicht so ganz meine Mucke…

Nils Koppruch kam danach. Von Fink, seinem früheren Alter Ego, habe ich immer nur aus dem Augenwinkel mitbekommen, dass es sie gibt, aber der Funke sprang nie über. Entspannt erwartungslos saß ich also da und merkte beim dritten oder vierten Lied, dass mir die Musik, so eine Art Lüneburger Heide Cowboy- Musik, immer besser gefiel. Das Lied „Vergessen was ich wusste“ hat mich sehr berührt. Herr Koppruch erzählte, dass er es schrieb, nachdem ihn an einer Ampel eine alte Frau angesprochen hatte und darum bat, mit ihr ihr Haus zu suchen und jemanden, der sie erkennen würde. „ich hab vergessen was ich wusste all das hier; hab ich im leben nie gesehen; ich star den spiegel an und such darin nach mir; und hab vergessen woran ich mich erkenn“.

Dann kam Thees Uhlmann. Der Mann war so aufgeregt, dass er sich die ersten 15-20 Minuten mit Englandwitzen und Tomteliedern warmboxen musste, bis endlich seine neue eigene Musik kam. Mit Tomte habe ich nicht viel am Hut, außer einer singulären Leidenschaft für Die Schönheit der Chance, und ich kenne auch kaum andere Lieder, weil die Lieder, die ich kenne, sich alle sehr ähneln und mein Interesse daher begrenzt ist. Es gibt so eine Tomte- Tonleiter, die fast zwangsläufig in allen Liedern durchlaufen wird. Und es gibt so eine gewisse, wie soll ich es sagen, Ungeilheit an der Musik. Und es gibt auch von Uhlmann solo solche Lieder wie Das hier ist Fußball, die einfach nicht gehen. Nicht weil sie so schlimm wären, sondern weil sie so unbedarft daher kommen. Gemacht von jemandem, der mit Leidenschaft etwas tut, das er nicht überragend gut kann (in dem Lied geht es ja auch um den FC St. Pauli), gesungen für Leute, die sich gerne mit Stadtteilen/ Fußballvereinen/ Urlaubsinseln/ Biersorten identifizieren, und denen es nicht zu doof ist „Astra“ zu brüllen, wenn sie auf Mallorca einen St. Pauli Fan treffen. Für Leute, denen Grönemeyer zu uncool ist, aber Maximo Park zu anstrengend. Die die Ärzte immer noch toll finden, das aber nur den alten Freunden erzählen, die in Geesthacht wohnen und sich freuen, dass es einer wie sie so weit bringt. Denn Uhlmann ist wie wir, wie sie, wie jeder. Ihn umweht nichts geheimnisvolles, unnahbar talentiertes. Er hat es einfach gemacht: Musik, Platten, Tourneen.

Und die Musik, seine Solomusik, ist eine Art Bruce Springsteen trifft die Libertines treffen Oasis treffen Tomte treffen Starship- Musik, die gar nicht weh tut. Die gleich gut abgeht, die gleich alle gut finden, die seinetwegen hier sind. Und die mich irritiert zurücklässt: „Von der Quelle zum Delta, vom Delta zur Quelle – wir lieben das Universelle“. Was will er mir bloß sagen? Sympathischer Spacken.

—————-
Now playing: Nils Koppruch – Vergessen was ich wusste
via FoxyTunes

Advertisements

0 Responses to “A night at the Opera gar nicht in der Oper”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 7 Followern an

RSS Follow Luke

  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
    in june we went to germany to spent a substantial part of the summer with family and friends. lukas was off to an early start because he had work in wolfsburg. the weekend without my family lukas used for a short stint to mallorca where i visited mike and tatzi – what a great way […]
    lukasra

%d Bloggern gefällt das: