Bürgerdialog zum Innenstadtkonzept für Hamburg

Seit letzter Woche läuft der sog. Bürgerdialog zum Innenstadtkonzept für Hamburg. Das Innenstadtkonzept wurde 2010 vorgestellt, es geht darum: Wie kriegen wir die Innenstadt lebendiger, was ist eigentlich eine Innenstadt, und was hat die Hafencity damit zu tun.

Ich habe das Konzept mit einiger Begeisterung gelesen, auch wenn ich am Ende etwas ratlos da saß und dachte „Ja, Mensch, tolle Ideen, aber wer macht denn jetzt was?“ Ein bisschen viel Es müsste mal einer den Müller runterbringen, aber der Geist stimmt: Mononutzung ist der Tod, hübsche Bänke machen keinen Platz lebendig, Verbindungen regieren. Und ich habe gelernt, welch immense Hoffnung, die Stadtplaner in die Hafencity legen. Weil sie sich dort austoben können, aber noch vielmehr, weil sie Anlass zur Hoffnung ist, dass jemand vom Rathausmarkt durch eine der toten Straßen geht, die südlich davon liegen, und die fast bis zur Elbe reichen. Dass jemand dort langgeht und sich vielleicht einmal hinsetzt und ein Toast ist, und dass er, wenn er das gerne tut, dort vielleicht einmal wohnen möchte und dem immensen Gebiet Leben einhaucht, das heute quasi nur als Bürostandort dient und daher nach 20h und am Wochenende brach liegt. Fast erhält ich beim Lesen den Eindruck, das alleine wäre schon Lebensberechtigung für die Hafencity.

Seit gestern weiß ich, dass es nicht der Anspruch des Konzepts ist, festzulegen, wer welchen Müll wann wohin bringt. Denn gestern war ich beim ersten Bürgerdialog zu diesem Konzept, in dessen Rahmen diskutiert werden soll, wie das Konzept vertieft und detalliert werden sollte. Seit gestern weiß ich, dass sich viele Menschen deutlich schwerer mit der Hafencity tun als ich: Ist sie Teil der Innenstadt, ist sie eine Totgeburt, ist sie nicht einfach nur schrecklich? Finde ich nicht.

Seit gestern weiß ich, wie schwer sich die Stadt tut, mit ihren Bürgern in den Dialog zu treten: Ich habe eine Eröffnung der Werkstatt sehr vermisst, die einen Rahmen aufstellt und uns kurz ins Thema holt. Wir Bürger sind ja in der Regel Laien. Ich habe vor allem vermisst zu erfahren, wer eigentlich die anderen Leute sind (ich habe den Eindruck gewonnen, dass mind. zwei Drittel ohnehin beruflich mit Stadtentwicklung irgendwie zu tun hatte, was ich schade fand, denn es sollte ja mit den Bürgern in Dialog getreten werden).

Seit gestern weiß ich aber auch, dass unser Oberbaudirektor, immerhin höchster technischer Beamter der Stadt, ein ganz umgänglicher Typ ist, und dass irgendwie alle total süß bemüht sind, mit uns in Kontakt zu kommen, mit uns einen Dialog zu eröffnen, was sicher schwer ist, solange bei uns auch Leute sind, die einfach mal den ganzen Abend keinen anderen Beitrag leisten wollen, als zu sagen, wie unglaublich scheiße hässlich sie viele jüngere Gebäude finden. Pah. Alles so bemüht, aber alles so unbeholfen.

Und ich dachte immer, unser Quartiersmanager wäre ein bisschen ein Stoffel, seit gestern weiß ich: Der ist ja schon richtig gut. Man, da können die noch was lernen! Da muss ich wieder hin, das muss besser werden. Die und wir und die Stadt. Ein Traum.

Gestern haben wir nun also versucht, zu erarbeiten, was uns Bürgern so als Baukultur und Identität bzgl. der Innenstadt wichtig wäre. Mangels fachlicher Anleitung war es am Ende eine ziemlich planlose Sammlung von Ideen und Wünschen und Themen, die vermutlich nicht alle richtig viel mit dem Thema zu tun hatten. Aber immerhin: Der erste Schritt ist gemacht. Licht ist wichtig, Bänke sind wichtig, Wohnen ist wichtig. Hamburg ist an der Alster weiß (oder hell), und an der Elbe rot. Das finden nicht alle hilfreich.

Weitere Veranstaltungen sind schon gelaufen (heute, konnte ich leider nicht) und geplant, zu denen im Januar kann man sich noch anmelden (siehe Link oben).

Mitmachen ist ja mal ein Anfang.

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  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
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