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Das Mini Estadi und Ronaldinho werden abgerissen

Beim FC Barcelona ist ordentlich was los – sowohl was die Umkleide angeht, als auch was die Umgebung und den ganzen Club angeht: Zwei Punkte aus fünf Spielen, der Megastar der vergangenen Jahre auf dem Abstellgleis…
Mal ganz abgesehen davon, dass sicher nach der Saison mal wieder die ganze Mannschaft, Trainer und das Camp Nou umgepflügt werden, wird zudem das ganze Gelände deutlich umgestaltet in den nächsten Jahren: Sowohl die Halle Palau Blaugrana als auch das als Zweitstadion vor gerade mal 25 Jahren gebaute Mini Estadi werden wohl abgerissen. Immerhin: Mit den rund 2.000 Wohnungen, die statt Mini Estadi die Nachbarschaft bilden werden, wird angeblich beinahe die ganze Umbaugeschichte des Stadions finanziert. Sowas geht, wenn das Stadion mitten in der Stadt liegt (ja, na klar, es liegt am Stadtrand von Barcelona, aber mitten in dem gefühlten Barcelona, zum dem all das gehört, was die enge Metropole umschließt), und nicht mitten in der Pampa.

Schade ist es natürlich schon um das Mini Estadi, das mit etwas über 15.000 Plätzen so groß ist wie einige Zweitligaarenen hier zu Lange gerne wären: Hier spielen bis heute die zweite und dritte Mannschaft, hier haben Länderspiele von Andorra stattgefunden und einige Pokalspiele ebenso. Richtig was los war zuletzt in zwei öffentlichen (aber natürlich nicht kostenlosen) Trainings der ersten Mannschaft anno 2006 sowie bei der Übertragung des glorreichen Champions League Spiels im selben Jahr, bei dem sich satte 11.000 Culés das Spiel im Mini Estadi anguckten.

Ach ja. Schön war das, als Ronaldinho noch zaubern konnte. Nun tut er das nicht mehr, zumindest nicht für Barça. Ich hoffe fast schon von ganzem Herzen, dass er nicht so ein trauriges Schicksal erleidet wie weiland Rivaldo, nachdem er Barça in Richtung Milan verlassen hatte. Es wäre zu schade, einfach zu schade. Es ist so schon alles schlimm genug.

Gäbe es noch das Foxytunes Plugin, könnte man hier nun zu „Everything must go“ von den Manic Street Preachers eine Träne verdrücken.

22@ in Barcelona

Das wirklich allertollste an Barcelona ist ja neben dem Raval, dem MACBA, der Santa Maria del Mar, dem Born, der Barceloneta, Barça, dem Eixample, Gràcia und dem Razzmatazz der Urbanisme. Der wurde nämlich in Barcelona geboren, und wird gehegt und gepflegt wie in keiner anderen Stadt, die ich kenne. Der Urbanisme ist korrekt übersetzt der Städtebau oder die Stadtentwicklung, in Barcelona jedoch ist es das Konzept, auf dem die Stadt beruht und nicht zur Ruhe kommt. Das Leben ist Veränderung. Wer in den letzten zwanzig Jahren mehr als ein Mal in Barcelona war, weiß wahrscheinlich, was ich meine.

Das Museum für Urbanisme ist das am häufigsten von mir überhaupt besuchte Museum aller Zeiten, die Internetseite für Urbanisme wird alle Nase lang nach Neuigkeiten durchsucht. Ich könnte stundenlang über die städtebaulichen Projekte in Barcelona lesen und reden, es herrscht niemals Stillstand. Manchmal habe ich das Gefühl, hier in Hamburg im Vergleich dazu in einer unheimlich fertigen Stadt zu wohnen: Um die Hafencity (deren Areal deutlich kleiner ist als das von 22@, s.u.) wird verständlich so viel Wind gemacht, weil es die einzige Möglichkeit seit langem und für lange Zeit sein wird für Hamburg, sich fortzuentwickeln.

Eines des großen Projekte in Barcelona trägt den etwas nervigen Namen 22@ und wird gerade mit erstem Leben gefüllt. In dem ollen Industriegebiet nordöstlich der Innenstadt (oder in Barcelonesischem Orientierungsgefühl: rechts unten), das Ewigkeiten leerstand und Ende des letzten Jahrtausend durch die Vollendung der Diagonal wachgeküsst wurde, ensteht mit 22@ ein riesiges Areal für Kulturschaffende, Start-Ups, Unternehmen aus den Bereichen Energie, Biologie, Telekommunikation und Medien und Universitäten mit den dazu passenden Einheiten. Natürlich wird das nicht alles nur schön und gut, sondern auch hässlich und böse. Aber es darf alles werden, es muss werden.

Poble Nou Richtung Port Olimpic Poble Nou Pere IV Poble Nou 22@

Die Menschen, die dort schon arbeiten oder in Zukunft werden, werden die Gegend schon kennen, denn hier befinden sich nicht nur das Razzmatazz, die beste Disco der Welt, sondern auch viele andere Bars und Clubs, After Hours undsoweiter, mit anderen Worten: Nach der Nacht kommt nun auch der Tag zurück ins Poble Nou.

Nicht weniger als acht Fakultäten verschiedener Universitäten werden hier demnächst einen Sitz haben (es werden ca. 30.000 Studenten erwartet, das muss man sich mal vorstellen). Der Campus für Kommunikation hat nun eröffnet, und ich wäre gerne vor Ort, um das Treiben zu beobachten.

Wer einmal in den letzten Jahren bei Tage durch die Gegend gefahren ist, hindurch zwischen neuen Straßenbahnlinien, uralten Fabrikgeländen voller Grafitti, nagelneuen Bürokomplexen, dem Meer und den Schornsteinen, der ahnt, welches Potenzial in dieser Stadt noch steckt. Und das ist nur eine der tausend Ecken, an denen gerade geschraubt und gebohrt, gebuddelt und gemacht und getan wird. Es ist fast schon unheimlich.

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Now playing: Saint Etienne – Urban Clearway
via FoxyTunes

Bicing geht durch die Decke

Bicing legt in Barcelona im neuen Jahr nochmal einen drauf:

100.000 Nutzer, 400 Stationen, 6.000 Räder und Ausdehnung auf die ganze Stadt und das, was sich anfühlt wie die Stadt.

Herzlichen Glückwunsch, so macht man das also. Wann geht es eigentlich in Hamburg mit einem Fahrradservice los?

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Now playing: The Magic Numbers – Wheels On Fire
via FoxyTunes

Nicht zum Shoppen nach Barcelona!

Der Barcelonesische Tourismusverband möchte gerne, dass wir ganz spontan nach Katalonien fliegen und unsere Penunsen dort lassen, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Das wird gerade in deutschen Tageszeitungen wie folgt beworben:

Barcelona Turisme auf Konsumentenfang

Och nö! Ist doch eh schon voll genug da.
Wenn Sie unbedingt dorthin wollen, was ich sehr gut verstehen kann, dann verbringen Sie bitte einen würdigen Urlaub. Fahren Sie nicht zum Shoppen nach Barcelona! Nehmen Sie nicht die Shopping Line! Buchen Sie jetzt keinen Flug!

Schenken Sie sich einen selbstgestrickten Handwärmer in den Farben Ihrer Stadt, und horten Sie ihr Geld für schlechtere Zeiten. Oder spenden Sie! Bitte.

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Now playing: Stars – Sleep Tonight [Junior Boys Mix]
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Neues Stadion für Espanyol

Auch Espanyol kriegt sein neues Stadion, und dieses soll in einem Jahr fertig sein. Ein reines Fußballstadion mit rund 40.000 Plätzen wird es sein, und ich kann mir vorstellen, wie sehr sich die blauweißen in Barcelona freuen müssen.

Nou Estadi Espanyol

Im Gegensatz zu den verwöhnten Herrschaften im Nou Camp machen die Fans bei Espanyol sowas ähnliches wie Bundesliga- Stimmung, aber trotzdem war das Olympiastadion, in dem sie nun schon seit zehn Jahren spielen, einfach immer zu groß und zu weitläufig für die Nummer zwei in der Stadt. Das neue Stadion (Arbeitstitel sehr inspiriert „Nou Estadi“), das als modern und mediterran angekündigt wird, liegt etwas außerhalb, am Rande des Vororts Cornellà, aber ich glaube, die Fangemeinde ist stark genug, um dort wieder große Spiele zu feiern. Im Moment ist Espanyol ganz gut drauf, vielleicht geht es ja gleich mit einem Europäischen Wettbewerb los?

Auch wenn ich die Abneigungsbekundigungen der Fans gegenüber Barça nicht dulden kann, so wünsche ich den Blanquiazul doch einfach alles gute. Nur nächstes Mal bitte Leverkusen schlagen.

La Revolta Permanent

Ich war gestern im Kino, im 3001, denn es sind mal wieder Spanische Kinotage, los Wochos quasi. Gestern habe ich mir La Revolta Permanent angeschaut, eine Dokumentation über zwei Dinge: Den Sänger Lluís Llach sowie die Ausschreitungen Baskischer Arbeiter 1976 in Vitoria.

In einer abwechslungsreichen, teilweise durchaus verwirrenden Art und Weise wird zwischen der Entstehung der Lieder des Katalanischen Volkshelden und den Begebenheiten in Vitoria hin- und hergesprungen. Wer mit den historischen Abläufen nicht vertraut ist, dürfte seine Schwierigkeiten haben, und der Sprachmix (Llach wird fortlaufend auf Katalan interviewt, die Augenzeugen aus Vitoria auf Spanisch, dazu wunderbare weiße, Englische Untertitel auf weißem Grund) tut sein übriges. Aber.

Die Mischung aus Bildern, Gesprächen mit Angehörigen der Opfer, der verschiedenen Sprachen und dieser Musik, dieser theatralischen, ausdrucksstarken Musik von Llach machte mich einfach fertig. Beseelt verließ ich das Kino, und der Hamburger Himmel gab sich große Mühe, meiner Stimmung den passenden Rahmen zu geben:

Kino 3001 in Hamburg, 7.Juli 2007

Anschließend stieg ich auf mein Fahrrad, sah mir alle möglichen neuen Läden in der Wohlwillstraße und der Clemens-Schultz-Straße von außen an, beobachtete fröhliche Leute bei ihrer Privatfeier und traf schließlich auf Massen betrunkener Vollidioten auf dem Heiligen-Geist-Feld, die dort das Ende des Schlagermoves feierten.

Ende des Schlagermoves 2007

Während ich mein Fahrrad durch die Leute hindurch schob, weilte meine Seele im Camp Nou unter 100.000 Menschen, die dort 1985 einem Konzert von Llach beiwohnten und ein atemberaubendes Zeugnis ihrer eigenen revolta permanent ablegten. Man mag die Musik finden wie man will, kein Zwiefel, aber wem dabei nicht das Herz aufgeht, der hat keine Ahnung.
Auf Youtube gibt es diverse Ausschnitte davon. Unter einem findet noch ein kleiner Dialog statt, weil jemand wissen möchte, in welcher Sprache dort gesungen würde:
„Is it Spanish or Portuguese?“ wird gefragt.
„Is Catalan“ lautet die knappe Antwort.

Lluís Llach hat im März dieses Jahres in Verges sein letztes Konzert gegeben. Dieser Tage erscheint der Mitschnitt als dreiteilige CD.

6. bis 18. Mai 2006

Wenn ich ein Foto aus diesen Tagen sehe, zittere ich noch immer. Heute vor einem Jahr war ich dabei, als sich Barça zu Hause den Titel sicherte. Siegerehrung und Ehrenrunde in Camp Nou 2006

Nach dem Spiel stellte ich am Canaletes, dem unscheinbaren Brunnen am oberen Ende der Ramblas, fest, dass es einen riesengroßen Unterschied zwischen dem vornehmen, stillen Stadionfan und dem gemeinen Fan gibt in Barcelona: Es war schlicht die Hölle los bis in den frühen Morgen. Am darauf folgenden Sonntag zog die Mannschaft im offenen Vereinsbus durch die gesamte Stadt, und etwa 600.000 Menschen waren dabei, um die Lokalhelden zu feiern, die in Katalonien zugleich Nationalhelden sind.

Die Stadt kam in den nächsten Tagen nicht zur Ruhe, stand doch auch noch das Finale der Champions League in Paris bevor. Auch dort wurde bekanntermaßen der Titel geholt, und dann brachen alle Dämme, die die zurückhaltende Kultur der Stadt noch mit Fassung trug. Feuerwerke wurden abgebrannt als gäbe es kein Morgen, Canaletes, gerade wieder sauber, wurde beinahe in Schutt und Asche gelegt:

Light my Brunnen

Die wenigen Meter von dort nach Hause dauerten anschließend Stunden, jeder wurde umarmt, jeder. Und jeder, wirklich jeder war dabei, als die Mannschaft zum zweiten Mal innerhalb von wenigen Tagen direkt vor der Nase von über einer Million sie vergötternder Menschen herumkutschiert wurde und zeigte, was den Menschen bei uns schwer ist zu erklären: Dieser Sieg war so wichtig für die Bewohner der Stadt wie für uns die Weltmeisterschaft. Da standen sie, die betrunkenen Edmilsons und Mottas und kicherten und sangen und wussten: Wir sind eins mit Euch. Visca el Barça, visca Catalunya.


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  • merry christmas Samstag, 24. Dezember 2016
    the festive season of the year has come and once again we are updating you with some headlines from the past months. what has happened in the meantime? august: while summer was still strong and the heat was blazing – what better way is there than to celebrate summer with a convertible? lukas old love […]
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