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Your love alone

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: 1992, als ich in der Weltbühne in Hannover bei den Manic Street Preachers war und total überfordert von so viel Radikalität? 1995, als ich in Brüssel nach dem Cardigans- Konzert unsere Telefonnummern auf den Tourbus geschrieben habe, in der Hoffnung, Nina würde sich vielleicht melden? 2003, als ich sieben Mal hintereinander Communication gehört habe, um jedes Mal ein bißchen heftiger zu weinen? 2005, als mich der Text von Holy Love in höhere Sphären hob? 2006, als ich die Cardigans in Barcelona das erste Mal seit zehn Jahren live gesehen habe, und völlig weg war vor so viel Spielfreude und Lust am Auftritt? Oder 2007: Die Manic Street Preachers spielen mich beim Hurricane glücklich und machen nachhaltig mein Lieblingslied des Jahres. Und Nina Persson singt mit. Oder was?

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Now playing: Peggy Lee – Is That All There Is
via FoxyTunes

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Hurricane, danach II

Manich Street Preachers… einmal noch sehen. Das letzte Mal, es wurde sogar erwähnt, war glatte sechszehn Jahre her. Manchmal braucht man solche Zahlen, um zu merken, wie lange einen eine Band schon begleitet. Gespielt haben sie fast schon ein Best-Of aus all den Jahren. Leider, leider konnte Nina Persson, die Gastsängerin auf dem neuen Album ist, nicht dabei sein, aber das hätte mich wahrscheinlich endgültig um den Verstand gebracht. So fühlte ich mich an diesem regnerischen Samstagabend so ähnlich wie das, was Nicky Wire über das Album gesagt hatte: „Gewisse Dinge haben eine Essenz, die man nicht begreifen kann. Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns entschlossen haben, uns nicht für das zu schämen, was wir gut können.“ Und so entschloss ich mich, in der ersten Reihe gerührt so laut mitzusingen, wie es ging.

Connor Oberst und seine Bright Eyes fielen anschließend in meine Verschnaufpause. Marylin Manson ließ ich woanders brüllen, und dann ging es zum späten Auftritt von Interpol. Tja, und das hätte ich mir auch sparen können: Ich finde ja die meisten Lieder gut, aber wenn der Sänger so stoisch herum steht, dann fehlt mir einfach ein wichtiger Teil eines Konzertes. Nach dem vierten Lied kam ich ins Zweifeln darüber, ob es nicht schon das dritte gewesen sei, und das hörte nicht mehr auf. Es war jetzt das zweite Mal, dass ich sie live gesehen habe, und ich glaube, ich höre Interpol in Zukunft lieber zu Hause.

Am nächsten Morgen musste ich zu meinem großen Ärgernis vor lauter Müdigkeit den Auftritt der Howling Bells sausen lassen. Zu Blood Arm war es zum Glück nicht so weit von unserem Campingsplatz, also schafften wir es gerade noch, die letzten zwei Drittel zu erleben. Ja, genau, erleben. Kurz vor nervig schaffte es Sänger Fregoso, immer lustig zu bleiben und riss uns, schlapp wie wir waren, regelrecht vom Hocker. Alle anderen saßen zu Angela auch, und mitten unter ihnen der Mann mit dem Mikro in der Hand.

Blood Arm Hurricane 07

Was Interpol an Interaktion vermissen ließen, machten Blood Arm mehr als wett (dass die Band in Deutschland auch ihren Spaß hatte, kann übrigens in ihrem Blog gut nachverfolgen).

Nach dem Mittagspäuschen stellte sich zunächst folgende Frage: Juliette Lewis- Wie wär’s mal mit Gesang anstelle von Gebrüll?
Um rechtzeitig zu den Kings of Leon in den am Vorabend arg überfüllten Bereich direkt vor der Bühne zu kommen, begaben wir uns schon zu Porcupine Tree dorthin. Ich kannte von ihnen ehrlich nur den Namen und wusste, dass es nun wohl härter würde. Und dann ging’s auch los, und äh, wow! Glasklarer Sound, eine gute Stimme und ernstzunehmende Musiker nahmen mich mit, wie man so schon sagt, auf ihre Reise. Es war so ein Augenblick, wie man ihn eben nur auf Festivals erlebt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, diese Musik in einem anderen Zusammenhang zu erleben: Unter freiem Himmel mit leergepustetem Hirn und bei praller Sonne. Die bemerkenswerte Geschichte der Englischen Progrocker kann man beispielsweise hier nachlesen.

Irritiert, wie gut ich es fand mit dieser mir sonst fremden Musik, starrte ich auf die Bühne, als die Kings of Leon ihre Stunde hatten. Tja, was soll man sagen? Arrogant weil geil? Lässig wegen gut? Oder einfach schweinecool, wie Jörg meint? Meine Ohren brennen jetzt noch.

Direkt im Anschluss an dieses konkrete Gitarrenbrett ging es rüber zu den Editors, die dem Festival genau den Abschluss gaben, den es verdient hatte: Draußen, leidenschaftlich, stark.

Rund und glücklich ging es nach Hause, wo wir in einer guten Stunde für mein Empfinden viel zu früh in der Realität landeten.

Hurricane, danach I

Ich war 1996 das erste Mal bei einem Formel 1 Wochenende, drei Tage lang mit Freiem Training, Qualifikation und Rennen (natürlich in Barcelona, wo man damals auf Grund der Abwesenheit irgendeines Spanischen Talentes für ’n Appel und ’n Ei den ganzen Zirkus genießen konnte). Jetzt war ich das erste Mal beim Hurricane- Festival.
Beide hatten einen ähnlichen Effekt auf mich: Nach dem ersten Tag fragt man sich, was das alles soll. In diesem Fall: Unpersönliche Konzerte ohne Zugaben, viel zu viele Menschen auf einmal, Lärm, Dreck, teures Essen. Nach dem zweiten Tag weiß man, was das alles soll: Tolle Konzerte, Bands, die man sonst nie gesehen hätte, unheimlich viele Menschen, ein unaufhörliches Gewusel und die Faszination, in all dem Durcheinander etwas leckeres zu Essen zu sich nehmen zu können. Nach dem dritten Tag befindet man sich in Trance. Alles ist schön. Alles muss genauso dreckig, laut und viel sein wie es ist. Man kann sich nicht mehr vorstellen, wie es ohne Musik und Menschenmassen sein soll, dieses Leben.

Doch zum Musikalischen: Es gab Enttäuschungen, es gab (blutige) Überraschungen, und Könner gab es und Langweiler auch. Also einsnachdemanderen:

Freitag Nachmittag, erstmal orientieren. Zelt? Ok, gleichen spielen die Blood Red Shoes.
Schon mal gehört, aber was geht denn hier ab? Zwei halbwüchsige Engländer bringen mit Drums und Bassgitarre und ihrem dreckigen Rock das erste Mal die Meute zum Hüpfen und Schreien.

Blood Red Shoes Hurricane 07

Zu meiner großen Freude weiß ich jetzt, dass sie im Oktober im Vorprogramm von Maximo Park im Docks spielen werden.

So weit, so gut. Irgendwann später dann Snow Patrol aus dem Ohrenwinkel belauscht und die Langeweile genossen, dann vorgedrängelt zu den Fantastischen Vier und das erste Mal gekotzt, weil mit den Cold War Kids und The Good, Bad & Queen gleich zwei Wunschteilnehmer verpasst wurden. Aber dann: Was für eine bestechend gute Liveband sind denn die Hip-Hopper aus Sturgart?! Wusste ich gar nicht, scheinen aber viele gewusst gehabt zu haben, wie ich hörte.

Die Fantastischen Vier Hurricane 07

Dann endlich: Beastie Boys! BEASTIE BOYS! Mal ehrlich: Um abzugehen, müssen die Beats auch in GROßBUCHSTABEN aus den Boxen kommen, alle um uns herum haben nach mehr Bass und mehr Rapshit gebrüllt. Als ich ging, war ich echt fertig deswegen. Heute sehe ich die Sache entspannter, zum Glück. Ich war dabei. Wenn ich mal alt bin, möchte ich so cool sein wie MCA. Nobody does it better.

Samstag früh, Mumm-Ra, ja so eine ganz nette Band aus England halt, dann The Bravery, ehrlich niemand braucht The Bravery, wahrscheinlich noch nicht einmal sie selbst (Hier kurz meine Meinung in den Worten von Adam Simpkins: I’m hardly a music snob, but what irks me to no end is that people are duped by shitty bands. The crowd at tonight’s sold out (sold out?!) Bravery show pretty much reflected everything that is wrong with music today).

Nun. Aus der Ferne vom warmen Wummersound von Mogwai den Ärger darüber vertreiben lassen und darüber, dass man Frank Black verpassen muss, denn Arcade Fire wollte ich schon genau von vorne aus direkter Nähe sehen. Kein Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Arcade Fire Hurricane 07

Hier wurde die Latte hoch gelegt: Was für ein erstklassiger Auftritt! Welch Musikalität; (welch bekloppte Kostüme!). Zehn Musiker auf der Bühne, nach dem vierten Lied konnten wir uns nicht mehr merken, welches Bandmitglied schon alles welches Instrument gespielt hatte, so häufig wurde gewechselt. Als zweites Stück wurde „No cars go“ gespielt, und am Ende wünschte ich, es hätte keines. Weiter spielen, bitte weiter spielen… Between the click of the light and the start of the dream. Welch Viruosität! Welch Ausdruck, welch Würde!

Wie gut genau der Auftritt gerade gewesen war, merkte ich im Anschluss bei Bloc Party. Ich gab nach ein paar Stücken einfach meinen erstklassigen Platz mitten in hunderten ausflippender Teenies auf und ging: Kein Vergleich.
Außerdem standen mir die Manic Street Preachers noch bevor, und dafür wollte ich mich erst noch mal wieder sammeln.

Und da mache ich mal morgen weiter.

Hurricane, vorher

Ein Mal in meinem Leben habe ich die Beastie Boys schon live gesehen. Da war ich noch in der Schule. Ich bin wirklich richtig aufgeregt, sie morgen wiederzusehen. 21 gute Gründe finden sich hier.

Und darum ziehe ich mir jetzt mein Regencape an und komme dann erst in ein paar Tagen wieder.


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  • summer in germany Sonntag, 8. Oktober 2017
    in june we went to germany to spent a substantial part of the summer with family and friends. lukas was off to an early start because he had work in wolfsburg. the weekend without my family lukas used for a short stint to mallorca where i visited mike and tatzi – what a great way […]
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