Posts Tagged 'Manic Street Preachers'

Manic Street Preachers in der Markthalle

Am Freitag bei den Manic Street Preachers in der Markthalle gewesen: Einziges Konzert in Deutschland auf der diesjährigen Europatournee – natürlich ausverkauft.

Volles Haus bei den Manics in der Markthalle

Ja, so sollte man es machen als Band, die seit knapp zwanzig Jahren unterwegs ist: Durchstarten mit einem Knaller (Found that Soul), nachlegen mit einem Hit (Your love alone is not enough), draufhauen mit einem Kracher (Motorcycle Emptimess), und dann ganz gemütlich einige Lieder des neuen Albums nachziehen. So hat das Publikum im gehobenen Alter gleich Tränen in den Augen und ist voll auf Höhe. Es wurde mitgesungen, als gäbs kein Morgen, vorne Pogo gemacht, als wärs das letzte Konzert, und hinten mit geschlossenen Augen gestrahlt als wäre der Heiland erschienen.

Ich habe die Band zuletzt 2007 auf dem Hurricane gesehen. Da wirkten sie zurückhaltend und fast bescheiden, weil sie wussten, dass nur wenige unbedingt ihretwegen gekommen waren. Am Freitag durften sie alles machen, es waren ja nur lebenslange Freunde da: Akustiknummer (The Everlasting), Punk (You love us) und sogar die Zugabe weglassen. Schließlich waren da schon anderthalb Stunden volles Rohr durch.

Bitte weitermachen. Und bitte irgendwann mal wiederkommen.

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Now playing: Manic Street Preachers – To Repel Ghosts
via FoxyTunes

Die beste Musik des Jahres

So, ich hab’s versucht: Meine Listen der besten Alben und Lieder des Jahres.

Eine Reihenfolge innerhalb der jeweils fünf Nennungen gibt es nicht, wobei ich doch ganz klar sagen muss: Friska Viljors Debutalbum Bravo! hat mein Jahr musikalisch dermaßen geprägt, wie es ganz selten eines erreicht. Das fing an mit dem Konzert im Februar, ging immer und immer wieder weiter mit der Platte, die wir alle so oft gehört haben, dass einem normalerweise schlecht werden müsste und uns die Songs aus allen Hälsen kommen müssten – kamen sie aber nicht. Es ging weiter mit noch zwei Malen, die ich die Band live gesehen habe dieses Jahr, einem ganz besonderen Moment und wat nicht all. Auf der Platte gibt es kein schlechtes Lied, und die Wahl als eines der besten Lieder hätte genau so auf zwei, drei andere von der Scheibe fallen können. Also doch: Könige aller Disziplinen:

Friska Viljor wie sie leiben und leben

Schönere Fotos bei DevilDuck Records

Alben

Friska Viljor – Bravo!
Arcade Fire: Neon Bible
Band of Horses: Cease to begin
Of Montral: Hissing Fauna, are you the destroyer?
Okkervil River: The stage names

Lieder

Friska Viljor: Friskashuffle
Manic Street Preachers: Your love alone is not enough
Arcade Fire: No cars go
Mogwai: Time and a half
Electric Soft Parade: Life in the backseat

Es gibt so viele andere Lieder, die dieses Jahr erschienen sind, die besonders gut, schön, warm, hart, abgefahren und rührend sind. Nicht für alles ist hier Platz, aber für vieles.

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Now playing: Friska Viljor – Friskashuffle
via FoxyTunes

Your love alone

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: 1992, als ich in der Weltbühne in Hannover bei den Manic Street Preachers war und total überfordert von so viel Radikalität? 1995, als ich in Brüssel nach dem Cardigans- Konzert unsere Telefonnummern auf den Tourbus geschrieben habe, in der Hoffnung, Nina würde sich vielleicht melden? 2003, als ich sieben Mal hintereinander Communication gehört habe, um jedes Mal ein bißchen heftiger zu weinen? 2005, als mich der Text von Holy Love in höhere Sphären hob? 2006, als ich die Cardigans in Barcelona das erste Mal seit zehn Jahren live gesehen habe, und völlig weg war vor so viel Spielfreude und Lust am Auftritt? Oder 2007: Die Manic Street Preachers spielen mich beim Hurricane glücklich und machen nachhaltig mein Lieblingslied des Jahres. Und Nina Persson singt mit. Oder was?

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Now playing: Peggy Lee – Is That All There Is
via FoxyTunes

Hurricane, danach II

Manich Street Preachers… einmal noch sehen. Das letzte Mal, es wurde sogar erwähnt, war glatte sechszehn Jahre her. Manchmal braucht man solche Zahlen, um zu merken, wie lange einen eine Band schon begleitet. Gespielt haben sie fast schon ein Best-Of aus all den Jahren. Leider, leider konnte Nina Persson, die Gastsängerin auf dem neuen Album ist, nicht dabei sein, aber das hätte mich wahrscheinlich endgültig um den Verstand gebracht. So fühlte ich mich an diesem regnerischen Samstagabend so ähnlich wie das, was Nicky Wire über das Album gesagt hatte: „Gewisse Dinge haben eine Essenz, die man nicht begreifen kann. Vielleicht ist das der Grund, warum wir uns entschlossen haben, uns nicht für das zu schämen, was wir gut können.“ Und so entschloss ich mich, in der ersten Reihe gerührt so laut mitzusingen, wie es ging.

Connor Oberst und seine Bright Eyes fielen anschließend in meine Verschnaufpause. Marylin Manson ließ ich woanders brüllen, und dann ging es zum späten Auftritt von Interpol. Tja, und das hätte ich mir auch sparen können: Ich finde ja die meisten Lieder gut, aber wenn der Sänger so stoisch herum steht, dann fehlt mir einfach ein wichtiger Teil eines Konzertes. Nach dem vierten Lied kam ich ins Zweifeln darüber, ob es nicht schon das dritte gewesen sei, und das hörte nicht mehr auf. Es war jetzt das zweite Mal, dass ich sie live gesehen habe, und ich glaube, ich höre Interpol in Zukunft lieber zu Hause.

Am nächsten Morgen musste ich zu meinem großen Ärgernis vor lauter Müdigkeit den Auftritt der Howling Bells sausen lassen. Zu Blood Arm war es zum Glück nicht so weit von unserem Campingsplatz, also schafften wir es gerade noch, die letzten zwei Drittel zu erleben. Ja, genau, erleben. Kurz vor nervig schaffte es Sänger Fregoso, immer lustig zu bleiben und riss uns, schlapp wie wir waren, regelrecht vom Hocker. Alle anderen saßen zu Angela auch, und mitten unter ihnen der Mann mit dem Mikro in der Hand.

Blood Arm Hurricane 07

Was Interpol an Interaktion vermissen ließen, machten Blood Arm mehr als wett (dass die Band in Deutschland auch ihren Spaß hatte, kann übrigens in ihrem Blog gut nachverfolgen).

Nach dem Mittagspäuschen stellte sich zunächst folgende Frage: Juliette Lewis- Wie wär’s mal mit Gesang anstelle von Gebrüll?
Um rechtzeitig zu den Kings of Leon in den am Vorabend arg überfüllten Bereich direkt vor der Bühne zu kommen, begaben wir uns schon zu Porcupine Tree dorthin. Ich kannte von ihnen ehrlich nur den Namen und wusste, dass es nun wohl härter würde. Und dann ging’s auch los, und äh, wow! Glasklarer Sound, eine gute Stimme und ernstzunehmende Musiker nahmen mich mit, wie man so schon sagt, auf ihre Reise. Es war so ein Augenblick, wie man ihn eben nur auf Festivals erlebt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, diese Musik in einem anderen Zusammenhang zu erleben: Unter freiem Himmel mit leergepustetem Hirn und bei praller Sonne. Die bemerkenswerte Geschichte der Englischen Progrocker kann man beispielsweise hier nachlesen.

Irritiert, wie gut ich es fand mit dieser mir sonst fremden Musik, starrte ich auf die Bühne, als die Kings of Leon ihre Stunde hatten. Tja, was soll man sagen? Arrogant weil geil? Lässig wegen gut? Oder einfach schweinecool, wie Jörg meint? Meine Ohren brennen jetzt noch.

Direkt im Anschluss an dieses konkrete Gitarrenbrett ging es rüber zu den Editors, die dem Festival genau den Abschluss gaben, den es verdient hatte: Draußen, leidenschaftlich, stark.

Rund und glücklich ging es nach Hause, wo wir in einer guten Stunde für mein Empfinden viel zu früh in der Realität landeten.


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  • merry christmas Samstag, 24. Dezember 2016
    the festive season of the year has come and once again we are updating you with some headlines from the past months. what has happened in the meantime? august: while summer was still strong and the heat was blazing – what better way is there than to celebrate summer with a convertible? lukas old love […]
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